Schön schminken trotz Krebs
Brigitte.de, die führende deutsche Frauenzeitschrift interviewte die niederländische Bestseller-Autorin Sophie van der Stap zu ihrem Buch "Heute bin ich blond. Das Mädchen mit den neun Perücken". Mit erstaunlicher Leichtigkeit und Humor beschreibt sie dort ihren Kampf gegen den Krebs. Sophie genießt es, eine Frau zu sein. Eine Frau mit vielen Gesichtern, die intensiv fühlt, intensiv lebt und die einen neuen besten Freund gefunden hat – sich selbst.
  Rollenspiele
Sophie van der Stap: Jeder von uns spielt doch je nach Situation, in der er sich befindet, eine Rolle. Zuhause ist man die sorgsame Tochter. Wenn man ausgeht, die sexy Verführerin, im Job die toughe Businessfrau. Je nachdem,
was Dein Umfeld von Dir erwartet. 
BRIGITTE.de: Du schminkst Dich auch mit jeder Perücke anders, mal extrem, mal natürlich. Musstest Du lernen, wie es ist, sich ohne Brauen und Wimpern zu schminken?
BRIGITTE.de sprach mit ihr über die Bedeutung von Perücken und Make-up während ihrer Krebstherapie.
BRIGITTE.de: Zuerst hast Du dich hinter Deinen Perücken versteckt, dann setzt Du Sie bewusst als Accessoires ein.Wann kam der
Wendepunkt von der Schutzfunktion zum Styling-Spiel?
Sophie van der Stap: Mit Platina, meiner fünf-
ten Perücke. Die Frisur habe ich so genannt, weil es ein weißblonder Pagenschnitt ist, dem man einfach sofort ansieht, dass es sich um eine Perücke handelt. Im Theaterladen habe ich mir dann künstliche Wimpern dazu besorgt, grün mit Glittersteinen 
drauf.Vor Platina war es eher eine Suche für mich, wie ich einen Weg finden kann, mit dem Krebs umzugehen und trotz Krankheit Spaß am Leben zu haben.
BRIGITTE.de: Bist Du auch ohne Perücke und Kopftuch in die Öffentlichkeit gegangen?
Sophie van der Stap: Nein, nie. Die Perücken helfen, mit der Krankheit anonym in der Öffent-lichkeit zu sein. Mir hat es sehr geholfen, mich zu verstecken. Oder mich total aufzubrezeln und einfach mal die Krankheit zu vergessen und nicht immer nur an die schlimmen Seiten zu denken. 
BRIGITTE.de: Du sagst, dass man den Krebs akzeptieren muss, um es mit ihm aufzunehmen. Wie ist das gemeint?
Sophie van der Stap: Ich glaube, dass man eine Beziehung mit dem Krebs eingehen muss, 
 
© der Fotos: Verlag Droemer-Knaur © des Textes: brigitte.de


  Sophie van der Stap: Ich habe mich früher nie wirklich geschminkt, außer mal ein bisschen Gloss auf den Lippen. Durch die Chemo- und Strahlentherapie sah ich oft sehr müde unter den Augen aus.Und Haare, Wimpern und Augenbrauen sind mir ausgegangen. Ich habe mir von einem Make-up-Artisten in der Luxus-
Kosmetikabteilung beibringen lassen, wie man Augenbrauen nachzeichnet und Eyeliner richtig aufträgt. Und ganz wichtig ist Concealer, um die Müdigkeit unter den Augen zu kaschieren. Wenn ich mit sexy Perücke und glamourösem Make-up gestylt unterwegs war, hatte ich immer meine Kosmetiktasche dabei. Durch die therapiebedingten Schweißausbrüche ist die Farbe oft verlaufen, dann musste ich nachlegen.

Bewusster leben
BRIGITTE.de: Du sagst oft den Satz, dass es ein großer Unterschied ist, wie du vor dem Krebs gelebt hast und wie du jetzt lebst. Wo genau liegt der Unterschied?
Sophie van der Stap: Ich lebe jetzt viel fokus-
sierter, bin nicht mehr so wahllos. Früher wollte ich immer auf allen Partys tanzen, jetzt mache ich immer nur ein Projekt mit Ruhe und voller Kraft. Ich habe gelernt, dass man nicht überall gleichzeitig sein kann. Und ich gehe ganz bewusst mit meiner Zeit um, ich entscheide, was mir gut tut und was nicht.
BRIGITTE.de: Sehen Dich viele Krebspatien-
ten, die Dein Buch gelesen haben, als Vorbild?
um ihn zu besiegen. Jedes einzelne Therapie-Stadium hat neue Facetten. Mein Weg war das Spiel mit den unterschiedlichen Persönlichkeiten mittels Perücken und Make-up. 
BRIGITTE.de: Je nach Stimmung hast Du eine andere Perücke getragen und bist in einen anderen Charakter geschlüpft. Hast Du Dich dabei überhaupt noch echt gefühlt?
  Sophie van der Stap: Ich freue mich, wenn ich eine positive Botschaft vermit teln kann und sie dadurch Kraft gewinnen. Ich wollte einfach zeigen, dass auch ein Leben mit Krebs ein gutes Leben sein kann. Man darf und kann trotzdem glücklich sein.